Mai 2014

Wir haben uns getroffen, meine Puppenkolleginnenfreundinnen – so lang wie dieses Puppenkolleginnenfreundinnen ist, so lang müssten unsere Treffen sein, da es privates zu besprechen gibt, berufliches und wir außerdem immer noch etwas praktisches tun wollen. Privat und beruflich flirren dann  bald 1000 Themen durch die Luft und können selten zuende geführt werden, praktisch haben wir alles auf den Punkt gebracht.

Maria, die ich von allen dreien schon am längsten kenne,deren erste Puppen ich noch vor Augen habe, hat sich ein Herz genommen

Julia, die drei Kinder hat und somit ihre Zeit am besten einteilen muss, ist das ganze sehr praktisch angegangen, sie hat erst die Kleider zugeschnitten und dann gedruckt

und mir außerdem, den allerköstlichsten Geburtstagsmandelkuchen gebacken, den ich je hatte

Anita,brachte uns Schätze aus ihrem Siebdrucklehrgang mit und Zahlen aus einer ganz besonderen alten Schatztruhe

Die Zahlen sind mir ja eher fremd, doch null und unendlich, die haben mich sofort angesprochen und ich habe mich im Mantrastempeln verloren null unendlich null unendlich nullunendlichnullunendleich…

erst sollte ein Puppenkleid daraus werden, doch ich glaube es wird eher ein Kissen für meinen Mann, dann kann er seinen Kopf darauf legen und während seiner null bis unendlich Lektüre…

er stand im Garten

wenn ihr auch einen leeren Puppenwagen im Garten habt, bei Julia gibt es noch Puppen, um solch einen leeren Wagen zu bewohnen.

Gestern habe ich in meiner Körperkiste gekramt und da kam doch tatsächlich noch ein Körper hervor und ein Kopf, ein wenig ratlos hatte ich dann beides vor mir liegen, abgelengt vom schönen Wetter, doch dann gegen Abend schwebte mir etwas wolkiges vor, vielleicht etwas regenwolkiges sogar, mit ersten Sonnenstrahlen die hervorblitzen ich bin schon sehr gespannt auf dieses neue Puppenkind.

Morgen gehts in aller Frühe, eigentlich mitten in der Nacht nach Coburg zum Puppenfestival mit Anita und Maria – wir werden berichten ganz sicherlich – wir haben schon so unsere Ahnungen was uns erwarten wird…

vielleicht aber wird es ganz bestimmt, ganz anders sein.

herzlich

Laura

Zurück in Deutschland, Berlin, sind mir gleich ein paar liebe Menschen ganz unerwartet über den Weg gelaufen und noch unerwarteter kam ein verspätetes Hochzeitsgeschenk (geheiratet haben wir 2004!) mit der Post. Und doch hätte es zu keinem passenderen Zeitpunkt kommen können, “Wie wars in Japan?” heißt das kleine ,schöne Buch.

“Wie wars in Indien?” werde ich immer wieder gefragt – der Autor des japanischen wie-wars- Buches, sagt, müsse er mit einem Wort beschreiben wie es war in Japan, er antwortete : interessant. Müsse ich mit einem Wort die wie- wars- Frage für Indien beantworten, ich sagte wohl : nachhaltig – und ein bisschen wie Bangles – erlaube ich mir noch fünf Wörter hinzuzufügen.

Bangles sind Armreifen gerne aus Glas und bunt und glitzernd. Indische Bräute bekommen zur Hochzeit die Arme mit Glasarmreifen behängt, und erst wenn der letzte Armreif zerbrochen ist, sind die Flitterwochen vorbei.

Meine große Bangles Leidenschaft habe ich leider erst gegen Ende unserer Reise entdeckt und dann nur noch Glasreifen gekauft, anfangs in allen Größen, bis mich ein erfahrener Händler erst mal über meine Größe aufgeklärt hat: 2,6.

Bangles aus Glas klimpern so wunderbar wie kein anderer Armreif, sie lachen, erzählen, glucksen und können außerdem extrem Nerven, vorallem meinen Mann,nachts – ich darf sie nicht mehr tragen im Schlaf,meine geliebten Bangles, weil sie so laut sind – vielleicht sollte ich sie mit alten Socken zum schweigen bringen, denn jeden morgen an und abends wieder ausziehen ist sehr umständlich.

Bangles sind schön und Bangles gehen kaputt und darum liebe ich sie.

Bangles sind wie unsere Reise nach Goa, wunderschön, glitzernd ein bisschen nervig in ihrem Geklimper, dann gehen sie irgendwann kaputt und es ist Platz für etwas neues – und wieder bin ich beim Anfang – nichts bleibt so wie es ist!

Zurück in Deutschland wurden wir erst einmal mit kühlen Nächten begrüßt – ich habe sie genossen und wunderbar geschlafen unter meiner dicken, wollenen Decke… dann wurden auch die Tage kühl, bald kalt und immer kälter.Regen.

Eingemummelt in graue Winterpullover, umgeben von grauen Wintergesichtern hat sich in meinem Zahn eine wunde Winterlichkeit breit gemacht. Meine Backe wurde dicker, die Schmerzen ärger, kein Schmerzmittel hat mehr geholfen, vergessen, abgefallen aller indischer Glanz von mir – ein beherzter Schnitt eines Notzahnarztes und zehn Tage Antibiotika haben mich dann zurückgeholt in den kalten, regenreichen berliner Frühling.

Am Wochenende dann hat der Regen das Grau verloren – Purple Rain- haben wir getanzt für das ganze Dorf haben wir unseren Geburtstag getanzt meine Freundin und ich – eigentlich hätte ihr Mann den Geburtstagstanz mit ihr tanzen sollen, doch war er grad nicht zur Stelle, und auch der meine nicht , so sind wir durch den Regen getanzt von vielen dörflichen Händen beregnet ( die Dorfkapelle hat die Ansage erteilt, dass sich alle im Kreis um uns stellen sollen und wenn der Refrain kommt, spielt das Dorf dann den Regen für uns) – ein bisschen war es wie Kindergeburtstag, ein bisschen wie Clownsgeburtstag, absurd , daneben und mittendrin – Zeit den ” Waldkauz” trotz allen Protestes zu verlassen und nach Hause zu laufen, durch die Nacht,durch den Nieselregen -an der Seite die Freundin  - auch so ein ganz besonders glänzender Bangle dieses Erlebnis…

Heute Dienstag, kein Regen,Sonne. Heute arbeit als Clown.

Morgen treffe ich meine Puppenkolleginnen wieder und ich freue mich sehr – ein guter Beginn wieder in die Puppenwelt zu reisen. Einen Entschluss bezüglich der Puppen habe ich gefällt: ich werde keine Auftragspuppen mehr nähen. Ich möchte das auch die Puppen ein Glasbangle, eine Freude und Schönheit für mich bleiben, drum werde ich mich nur noch hinsetzen und an ihnen Nähen wenn mir danach ist, mir juckt es schon in den Fingern, ich glaube sehr, sehr bald wird mir danach sein.

Einen wunderschönen Sonnentag Euch

purple klimpernd

Laura