Puppenrefugium – Landpartie 2018

12 Frauen, 4 Tage, 1 Gastgeber Paar,1 Haus,Natur,Wollberge,Stoffmeter,Nadeln,Garn,Göttinnen und Götter ungezählt, Licht, Brillen und Zeit. Das Ergebnis, eine Bank voll Puppen Wesen.

Die Bank auf der sie sich tummeln, auch eine Göttin, eine liegende aus der Südsee. Gerne würde ich jetzt eine philosophische Abhandlung über die Puppe schreiben, doch dafür ist es viel zu heiß in Berlin, das Radio der Bauarbeiter im Hof zu laut und genau das braucht sie nicht die Puppe, eine philosophische Abhandlung, wir Menschen können das sicherlich gut brauchen, aber bitte im Winter, am knisternden Feuer, wenn das Licht weicht und Zeit für Gedanken über Gedanken und Abhandlungen ist, aber nicht jetzt.

Die Puppe wirkt unmittelbar. Dessen wurde ich gewahr als wir in der Abschluss Runde saßen und jeder noch einmal etwas sagen durfte oder auch nichts sagen durfte. Mit der Puppe wird gespielt und sie wirkt im Spielenden, genauso bei den Schöpfern der Puppe, wer eine Puppe näht in dem wirkt sie, ohne Worte, ungefragt.

Heute saß ich im Caffe und genoß  eine ausgedehnte Zeitungslektüre , was ich aus den verschiedensten Gründen mir sehr selten gönne. Neben mir Großeltern mit ihrer kleinen Enkelin. Die Enkelin hatte eine Wimper verloren und die Großmutter führte sie ein  in den Wimpernwunschzauber, den wir alle kennen und praktizieren.

” Du darfst Dir wünschen was du willst, einen ganzen Tag mit Mama, glitzernde Schuhe, ein großes Eis, eine Puppe-” erklärt die Großmutter.

” Oh, ja eine Puppe!”  unterbricht die Enkelin.

” Aber nicht verraten” ermahnt die Großmutter.

” Oh ja, Oma ,eine Puppe!”

Unser ganzes Puppenrefugium war so ein Ruf tief aus dem Mädchenherzen : ” Oh ja, eine Puppe!”. Und Dank höchster Konzentration, Ausdauer und Durchhalte Willen, gleichzeitig aber auch Lachen, gutes Essen, gegenseitiges sich über die Schulter schauen,

Tips austauschen, helfen, helfen lassen, manchmal auch wieder auftrennen und mit sich selbst gut sein ,führte dazu , dass am Samstag Abend eine ganze Puppenbande auf der Götinnenbank platz nahm, die eine solch wollige Last wohl noch nie zuvor trug.

Dieses mal war es ganz ähnlich wie beim letzten mal, es begann konzentriert, wurde wild, plötzlich der Tisch übersät mit tausend Puppengliedmaßen, Werkzeugen, Wolle und Halbfertigem, sobald die Gesichter gestickt sind kehrt wieder Ruhe ein und das wohlige Schnurren der Nähmaschinen erfüllt den Raum. Puppenkleider werden genäht, die Stricknadeln klappern und die Vögel zwitschern. Die Gedanken gehen zu den Kindern die die Puppen bald in die Arme schließen werden.

Ein Wiedersehen der besonderen Art gab es, eine Teilnehmerin holte dieses Puppenkind aus ihrer Tasche, eine 1000Rehe Puppe, vor nicht allzu langer Zeit lag sie noch zuhause auf meinem Arbeitstisch und wartete geduldig darauf fertig zu werden.

Seht ihr die Schuhe, nein, die sind nicht von mir, aber schaut mal hier, eine Wonne für jeden Puppenschuhliebhaber,alle in einer kleinen deutschen Puppenschuhmanufaktur genäht.

Wer Puppen näht braucht Bewegung! Wer Puppen näht vergisst nur allzu gern das da nicht nur der Puppenkörper ist, sondern auch der eigene und er bald mit beleidigt schmerzenden Schultern reagiert, wenn seinem Bewegungswunsch nicht nachgekommen wird! Wir hatten Carolin, die für einen Nachmittag in unser kleines Paradies gekommen ist und unsrem Körper zu Bewegung verholfen hat, im Garten, barfuß uns erinnerte an all die Gliedmaßen, Muskeln und Knochen denen wir dankbar sein können, dass sie so geduldig Stunde um Stunde für uns still halten, damit wir Puppen nähen können.Danke Carolin, Du hast uns nicht nur den Körper bewegt, auch den Geist, uns in den Himmel,die Bäume und den eigenen Körper blicken lassen. Alles ein wenig wachgerüttelt uns herausgeholt aus allzu wolligen eingefädelten Gedanken, den Blick geweitet .

Jede einzelne der Teilnehmerinnen, angereist wieder aus allen Teilen Deutschlands und sogar aus der Schweiz trugen zum gelingen dieser Landpartie bei und ich muss gestehen,es juckt mir in den Fingern auf jede einzelne ein kleines Loblied zu singen, wie der Fußballtrainer meines Sohnes es für jeden seiner Fußballkinder gemacht hat, doch es sollen auch Geheimnisse bleiben, die in Ruhe Geheimnisse bleiben dürfen, nicht umsonst habe ich diesen Eintrag mit Puppenrefugium und nicht etwa mit Puppenpodium überschrieben.

Aber seid gewiss, ihr Puppennäherinnen und Maria ( nicht zuletzt mit Deinem Pupenbabyschnitt) ihr habt mich mit all Eurer Arbeit an der Puppe und den Erzählungen aus Eurem Leben dazu angestiftet zwei Wünschen, die schon wieder ein wenig eingeschlafen waren jetzt weiter zu folgen.

1. Puppenlösungen finden: meint, neue Schnitte und Techniken zu entwickeln. Mir juckt es gewaltig in den Fingern, und schon immer hatte ich eine riesen Freude daran, einfache, raffinierte Schnitte zu entwickeln, und mir ist gar nicht aufgefallen wie ich das in der Puppenalltagsroutine aus den Augen verloren habe und es schon lange Zeit ist für einen neuen Schnitt, eine neue Technik.

2. Puppenreisen: meint Reisen mit dem Wissen von der Puppenmacherei im Gepäck, in welcher Form auch immer. Am liebsten mit Maria natürlich, denn zu zweit ist es schöner als allein, auch das Puppenmachen. In Köln steht so ein nächster Puppenkurs für vier Schwestern an, auf den ich mich schon sehr freue und ich hoffe es folgen noch mehr neue Orte und Menschen.

Jetzt nur noch Bilder

…und vielleicht ein paar wenige Worte…

 

bald gibt es den Termin für die Landpartie 2019, dann habe ich noch ein paar mehr Bilder für Euch.

Jetzt Hitzefrei in Berlin und Wochenende.

Genießt es, stürzt Euch in die Seen und betet die Sonne an, ihr wisst wie die Berliner Winter sein können!

herzlich Laura