Starting the week / 23

Heute ein grauer Wochenstart, aber im Gepäck noch einen wunderbaren Spaziergang.

Spazierengehen.

Etwas langweiligeres konnte ich mir als Kind kaum vorstellen, vielleicht wandern, ja das klang in meinen Kinderohren noch langweiliger als ein Spaziergang, weil w a n d e r n implizierte, das  es  eine  ganz  lange  Langweile  sein  würde…

Mittlerweile gibt es für mich kaum etwas spannenderes mehr als einen Spaziergang.

Es muss nur richtig angegangen werden

und für dieses „richtig“ hier das Rezept.

Immer und bei jedem ist es anders, das richtig. Augen und alle anderen Sinne auf und los gehts!

Mein Mann und ich sind seid C leidenschaftliche Spaziergänger, er war es schon davor und hat mich endlich auch angesteckt.

Jedes Wochenende geht es einmal nach draußen, raus aus der Stadt und rein in den Wald. Sobald die Bäume ihr Blätterdach über uns schließen fällt der ganze C Kladderadatsch in den Matsch des Waldes und wir atmen freier, die Sorgen bleiben irgendwo an den Zweigen hängen, schreien noch ein wenig verzweifelt hinter uns her „ nehmt uns mit, laßt uns nicht allein, nehmt uns mi…..“  weg sind wir.

Manchmal gehen wir raus mit einem Plan, z.B. Pflaumen ernten, Pilze suchen,Brennesseln…

die Pläne werden dann schnell über den Haufen geworfen, denn gefunden wird meist etwas völlig anderes.

… ach ja, fast hätte ich es vergessen, die Kinder ( 15 und 17) bleiben natürlich daheim im Bett, vorm Computer, denn spazieren gehen ist langweilig…

Samstag hatten wir ganz große Pläne, Tannengrün wollten wir finden, für den Adventskranz, am besten noch Misteln.

Wir steigen aus dem Auto, ja das müssen wir leider, denn zwischen Wald und unserem Zuhause liegt jede Menge Beton,Stahl und Infrastruktur, vor uns grau und flach das Land, kaum Autos in den Ohren, das ist schon mal gut, aber auch fürs Auge nicht besonders viel. Flach,grau,braun.

Wir gehen los, mal jeder für sich ,mal zusammen.

Und schon nach wenigen Schritten vor meinen Füßen ein zertretener, doch noch recht ansehnlicher Mistelzweig, ich bin begeistert und hebe ihn auf. Geht ja wie am Schnürchen.

Wir laufen weiter, am Wegesrand ein altes Paar, schnipselt etwas… wir kommen näher…da liegen sie: Misteln über Misteln, frisch am Boden in allen Größen und Formen, wie beim Floristen, in rauen Mengen… gut, das reicht für alle und noch viel mehr… wir gehen weiter und werden später ernten. Kleiner Plausch mit dem Paar, über das große Glück hier eine solche Mistelauswahl zu finden.

Wir laufen, biegen ab, entscheiden an Kreuzungen hier entlang oder da entlang, laufen, laufen.

Die Luft riecht nach Wald, ein bisschen auch nach Moos und Erde. Tannengrün weit und breit nicht zu sehen, auch gut ,wir haben ja die Misteln. Aber wo ist das Auto?… in etwa da entlang… ein besonders grünes Feld lockt ganz ohne Zaun zur Abkürzung.

Das Feld wird matschig, aber wir sind ja nicht aus Zucker, hätte ich mal meine Permakulturkenntnisse des Landscapereading angewandt wäre mir klar geworden, dass das nicht trocken endet.

Ein weiteres Geheimnis für einen gelungenen Spaziergang, ist das Annehmen der Vorschläge, zu allem wird möglichst ja gesagt, also sage ich ja zu meinem Mann, den es immer tiefer in die Binsen und an den Bach treibt, aber warum? „ siehst Du nicht die Tanne!“ ruft er, und tatsächlich zwischen all den Laubbäumen eine einzelne Tanne,allerdings am anderen Ufer, was ein Glück, jetzt ist er weg mein Mann, verschluckt vom Schilf, dann taucht er wieder auf und überläßt  mir die Führungsrolle . An einer schönen Erle, auch hier liegen schon ein paar Zweige bereit auf dem Boden, zum Mitnehmen ,beschließe ich, das wir jetzt die Schuhe ausziehen , hier ist der Bach recht niedrig, es könnte gehen, gut sagt er, aber nur noch ein paar Meter weiter, da ist bestimmt eine Brücke und wenn nicht, dann gehen wir hier durch den Fluß, gut noch ein paar Meter in Schuhen, ist mir auch recht, immerhin ist es November fast 0C°.

Schlechte Idee, bald stehen wir beide im Wasser, mit den Schuhen allerdings, Schilf, Binsen ringsum, alles erscheint viel wilder und existentieller, als noch vor einer halben Stunde. In weiter Ferne Hundespaziergänger, gepflegt auf Wegen die wir verpasst haben. Wir im Sumpf, staksend wie die Störche, darum glücklicherweise nicht frierend, lachend und schwitzend, die verirrten Städter auf der Suche nach Tannengrün, das es doch in der Stadt an jeder Ecke zu kaufen gibt. Da stehen wir nass, lachend und glücklich über unsere eigene Dummheit. Weiter immer weiter, hier holen uns nur die eigenen Füße wieder raus. Staksen, stapfend wird es wieder trockener und die Füße bleiben warm und laufen schon bald auf Teer, vorbei an Autos, leichter Nieselregen, der stärker wird… nur wo unser Auto steht ist noch immer ziemlich unklar. Doch wir haben noch immer kein Tannengrün, also wieder die Zivilisation verlassen und den winkenden Wipfeln nach, da kennt mein Mann nichts, er wird jetzt um keinen Preis mit leeren Händen nach Hause gehen. Also weiter, langsam wird mir schwindelig, weil ich vergessen habe ein angemessenes Frühstück zu mir zu nehmen, wird mir bestimmt nicht noch mal passieren, einzelne Hundeläufer grüßen stumm, wir grüßen stumm zurück und da direkt vor uns: eine gestürzte Blautanne, nur ein Zaun trennt uns von ihr, aber was ist schon ein Zaun, wenn wir kurz zuvor noch gewillt waren einen Bach zu durchqueren baren Fußes.

Blautanne mitten in der Wildnis und dann schon am Boden, so das wir keinen lebenden Baum beschneiden mussten, also besser kann es nicht kommen. Wir schneiden, mein Mann zieht seinen Mantel aus und bündelt alles hinein und auf den Rücken. Glücklich stapfen wir dem Tierkot hinterher , es riecht angenehm nach Kuh, was wiederum ein wohliges Warmsein und Gemütlichkeit in mir auslöst. Meine Orientierung ist nun ganz an den Wald abgegeben. Wir übersteigen einen weiteren Zaun und vor uns liegt der Weg und die Misteln. Wie für uns zurückgelegt, ein Ast schon abgeschnitten mit einer wunderschönen riesig runden Mistel, was für ein Geschenk. Und kurz bevor ich ins Auto steige, fällt mein Blick auf ein kleines Zettelchen im Matsch, ein Teespruch : Handle eigenverantwortlich, rät er mir.

In diesem Sinne wünsche ich einen eigenverantwortlichen Spaziergang durch die Woche, es lohnt sich mal vom Weg abzukommen, auch wenn die Füße dabei nass werden…

herzlich

Laura

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